Samstag, 22. September 2018



'WEISSE DÜNE'


'Weiße Düne', 2006, Acryl auf Leinwand, 73 x 73 cm 



… Spektakulär ist die Kulisse auf dem 2006 entstandenen Gemälde 'Weiße Düne': Ein Stück dunklen Sandes, dem sich ein unverbaut weiter Blick bis zum Horizont erschließt. Doch irgendetwas ist anders. Vielleicht liegt es an den Farben: ...Ein kräftiges Orange als Abendsonne mit einem Himmel aus blassen Rosatönen. Dazwischen ein dunkelviolettes Blau als Ozean mit einem Sandstrand aus tiefstem Schwarz. Es sind schöne und intensive Farben, aber ihre Kontraste irritieren und berühren zutiefst. Dann taucht ein heller Fleck am Himmel auf, der wie ein Blitz einschlägt. Täuscht die Landschaft uns etwas vor? Der Blick aufs Meer mit seiner dunkelroten Abendsonne ist packend und intensiv aber auch unheimlich. Man spürt die anhaltende Stille. Kein Mensch, kein Tier, kein Wind, kein Wellenspiel. Als hätte die Natur den Atem angehalten. Vertrautes mischt sich mit Fremdem und fordert den Betrachter auf, sich seine eigene Geschichte auszudenken. Rolf Friederichs' Landschaften, meist von melancholischem Reiz, stehen noch im Vordergrund seines künstlerischen Interesses. Aber ihre stilistische Umsetzung hat sich verändert. Linien und Farbflächen überlagern nicht mehr einander. Weiße Konturen geben der Komposition 'Halt' und Struktur.

Anke Friederichs 






Mittwoch, 15. August 2018


  


 'WENN DIE NACHT KOMMT'...


'Wenn die Nacht kommt', 1995, Acryl auf Leinwand, 78, 5 x 65 cm 





Von der Kraft des Ausgleichs 

In einer lauen Sommernacht unter freiem Himmel zu liegen, ihn zu betrachten und den Abendwolken hinterher schauen. Genau diese spiegeln sich in den filigranen Überlagerungen zarter, im Ansatz sichtbarer, transparenter Linien, die das Werk 'Wenn die Nacht kommt' überziehen. - Ein faszinierendes Schauspiel. Jetzt im August, wo die Nächte wieder früher einsetzen, kann man ähnliche Phänomene erleben und seinen Gedanken freien Lauf lassen. Die letzten hinschwindenden Wolken eines zu Ende gehenden Tages. Romantik pur! Als Gegenpol zum Alltagsstress und um dem Geist Ruhe zu schenken sind die Farben bewusst reduziert gehalten: Elfenbein und Sand, Blau- und Grautöne. Und nur der obere Teil des Bildes ist bedeckt. Der Rest bleibt unbearbeitet. Rolf Friederichs möchte das Bild nicht weitermalen: Das würde die 'Gewichtung auflösen' und das 'milchige Licht' ausblenden, welches die Atmosphäre von unten durchbricht. Dieses Licht braucht man, weil wir damit unbewusst positive Attribute wie Sanftheit, Zartheit, Weichheit, Leichtigkeit und Schwerelosigkeit verbinden.

Anke Friederichs


















Donnerstag, 26. Juli 2018




'NEW YORK I / II'





'NEW YORK I', 2005, Acryl auf Leinwand, 120 x 130 cm 


'New York II', 2005, Acryl auf Leinwand, 120 x 130 cm 


Einige Bilder besitzen Farbformen mit ausgefransten Rändern. Dann wieder existieren Werke mit maximal zwei oder drei Farbblöcken wie 'New York I und II' (2005), deren Ränder sich scharf voneinander abgrenzen. Eine Harmonie besonderer Art hält Einzug, indem Rolf Friederichs nicht mehr als maximal zwei oder drei transparente Farben auf- und übereinanderlegt, wodurch eine lichthaltige Intensität entsteht. Farbfelder gleichen geometrischen Elementen oder sind so angeordnet, als spiegelten sie die Silhouette einer modernen Stadt. In kräftigen Kontrasten aus Schwarz, Rot und Grün prallen Formen des Rechtecks aufeinander.  Ihr innerer Zusammenhalt ist nicht nur durch Klarheit, Ordnung und Ruhe gekennzeichnet. Der Künstler entdeckt auf einmal die Möglichkeit der gleichzeitigen Ansicht eines Körpers von verschiedenen Seiten und seiner kontinuierlichen Auflösung in immer kleinere kubische Formen. Manches verweist auf die Formen vom Bauhaus.
Fast kommt es einem vor, als wolle sich der Maler und Grafiker eine Gegenwelt mit Bildern erschaffen, welche auf die zivilisatorische Realität eine eigene Antwort geben. Man könnte von Werken sprechen, die den Reizüberflutungen, welchen wir täglich ausgesetzt sind, positive Formen entgegensetzen.

Anke Friederichs 







Samstag, 16. Juni 2018





'DER FUJI'


DER FUJI, 1998, Acryl auf Leinwand, 64 x 57 cm 


Der höchste japanische Berg, der bekannte Fuji, bietet sich den Besuchern in einer zumeist wolkenverhüllten Atmosphäre. Schwarz zeichnen sich die Umrisse seiner charakteristischen Form gegen den nächtlichen Hintergrund ab. Parallel springen schwarz gezackte Linien hoch und ähneln einem Gebirge aus schroffen, karstigen Umrissen. Obwohl Rolf Friederichs auf eine räumliche Darstellung verzichtet, sind die Linienschwünge und Flächen so dicht aneinandergefügt, dass der Betrachter die einzelnen Teile der Landschaft unwillkürlich unterschiedlichen Tiefenebenen zuordnet. Dunkelblaue Linien und kreidig verkrustete Farbsubstanzen erzeugen ein malerisches Relief. Dieses wird durch den Zusatz eines Rottons angereichert, der weder grell noch leuchtend, dafür aber nuancenreich und vielschichtig wirkt durch die Beimischung anderer Farbbereiche, wie Grau und Braun. Im Rot sammelt sich die Spannung des Bildes. In sich ruhend wirkt es zunächst verhalten geballt, dann wieder wie ein Fluss ansteigend und nach allen Seiten sich ausbreitend. Vielleicht bedeutet Rot der Anfang eines unaufhaltsamen, vernichtenden Stroms oder es sind einfach nur die Reste austretender Lava. Wie dem auch sei, lag dem Künstler weder etwas daran, eine Naturszene realistisch zu schildern, noch in die Tradition romantischer Landschaftsdarstellungen eingereiht zu werden. Er zaubert mit möglichst geringem Materialaufwand und einem dynamisch farbigen Pinselstrich eine Landschaft aus Felsen, Bergen und Steinen. Die Betrachter werden in die Bilder hineingezogen, nicht weil ihnen die Orte jenes Naturschauspieles bekannt sind, sondern ihre Farben und Formen eine Summe von Erinnerungen an persönlich Erlebtem oder Gesehenem in einer teils rauen, unberührten Natur beinhalten.

Anke Friederichs




















Mittwoch, 23. Mai 2018


'MASKULIN' UND 'FEMININ' 



Feminin, 1999, Acryl auf Leinwand, 65,5 cm x 57, 5 cm 


Maskulin, 1999, Acryl auf Leinwand, 65,5 x 57,5 cm  



... Vielleicht gibt es in Rolf Friederichs so etwas Ähnliches wie eine 'verinnerlichte Expressivität', ein Konvolut an Ausdruckswerten, welches sich halb bewusst halb unbewusst in seinen Werken niederschlägt. In 'Maskulin' und 'Feminin' betrachtet der Künstler die Komposition im 'Großen'.  Einzelheiten werden hier zugunsten einfacher Flächenzusammenhänge geopfert. Scharf ist die Polarität von 'Rot' und 'Schwarz' herausgearbeitet. Weder wirr, noch bloß impulsiv, sondern aussagekräftig bilden sie ein deutliches Oben und Unten, eine Mitte und eine rechte und linke Seite aus. Ihre Oberflächen sind nahezu durchsichtig und klar, mit wenigen Differenzierungen. Gleichwohl 'leben' die Farbflächen, weil der Künstler ihre Ausdehnung ganz unterschiedlich regelt. In 'Feminin' konzentriert er die Grundfarben auf zwei nahezu spiegelbildlich angeordnete Rechteckfelder. In 'Maskulin' rücken die Flächen enger zueinander. Durch die Zuspitzung des 'schwarzen Farbfeldes' kommt es zu einer Verschiebung der Verhältnisse. Das Schwarz hakt sich im weißen Rahmen fest, der sich zusammenzieht und mit zarten Ausläufern in die Rotfläche einschneidet. Linien sind vorhanden, doch der Ansatz ihres Ursprungs lässt sich nicht mehr zurückverfolgen. Sie gehen in der Fläche auf und 'verebben' im Grenzenlosen. ...  


  Anke Friederichs 






   
   

Donnerstag, 17. Mai 2018




'GRÜNE HÖLLE'


Grüne Hölle, 2004, Acryl und Tusche auf Leinwand, 120 x 130 cm; Rathaus Abstatt 


... 'GRÜNE HÖLLE' - der Titel des Bildes gibt Rätsel auf. 'Grün' mit 'Hölle' gleichzusetzen, wäre eine verwegene und von den Absichten des Künstlers abweichende Interpretation. Seine Arbeit meint das Gegenteil. 'Grün' in Kombination mit 'Schwarz' hat durchaus dramatische Züge. Angsteinflößend ist es nicht. In Rolf Friederichs Gemälde steht 'Grün' für Vergänglichkeit und Aufbruch gleichermaßen und ist Teil eines natürlichen, sich erneuernden Kreislaufs. So dunkel es auf den ersten Blick auch scheinen mag - im Vergleich zu unserer wachsenden Alltagstristesse ist diese Farbe wie ein 'Licht am Horizont'.
'Weiß' als Zusatz lässt das Bild nicht nur von Innen heraus leuchten. Mit Hilfe eines zarten, fast wässrigen Pinselauftrags entstehen pudrige, an den Rändern transparent auslaufende Flächen mit plastischem Effekt. "Ziel meiner Arbeiten ist eine von Zwängen befreite, offene Malerei", sagt der Künstler. Wichtig ist ihm dabei die Qualität des Malerischen, nicht des Darstellerischen. Auf einem fast quadratischen Format haben sich Farben und Linien ganz von selbst, ohne äußeren Zutuns wie aus dem 'Nichts' entwickelt. Diagonale Linien durchschneiden den Bildraum von oben und von den Seiten und bilden mit den Farbflächen ein nach allen Richtungen sich dehnendes in Spannung geratenes 'Energiezentrum'. Schwarze Eckpunkte an den auslaufenden Flächen sind keine 'Störfälle', sondern halten die Komposition optisch im Gleichgewicht.      

Anke Friederichs


Mittwoch, 9. Mai 2018




'DER VULKAN'  


'Der Vulkan', 1997, Acryl auf Leinwand, 143 x 200 cm   



Auf der Suche nach dem 'Bild'  

Neue Zeiten brauchen neue Formen. Nach einer Phase der reinen informellen Malerei, wählt der Künstler, Rolf Friederichs, in dem 1997 entstandenen Werk  'Der Vulkan' den traditionellen Umweg über die Gegenständlichkeit. Er sucht neue Inspirationen in der Natur, weil die Intensität des Erlebten dort stärker ist als im normalen Alltag. In ihr findet er Prozesse, deren auslösende Kräfte wir teilweise nur erahnen, weil sie sich nicht direkt vor unseren Augen, sondern in unermesslichen Tiefen ereignen.
Friederichs spürt diesen Prozessen nicht nur nach, sondern er möchte sie auch zeitlich erlebbar machen. Seine Helldunkelkontraste sind impulsiv und übergangslos. Die Art, wie sie sich vollziehen kann man als dynamisch, dramatisch und stimmungsvoll zugleich betrachten. Ungestüm baut sich eine Wand aus grauen Steilfelsen vor uns auf. Lange dunkelblaue Schatten legen sich quer darüber.
Nebelschwaden, mal fädig, dunstig dann wieder kompakt als Farbflecken treiben über die Steilwand hinweg. Düstere Blautöne kontrastieren mit hellem Rot. Dazwischen sind Grautöne mit häufig unvorhersehbaren Brüchen in Weiß-, Schwarz- oder gar Braun. Sie sind mit ein Ausdruck jener immerwährenden Plötzlichkeit, die er als Wirkung nicht nur in seinen Aquarellen, sondern auch an seinen großformatigen Leinwandgemälden erzielen wollte.


Anke Friederichs